„32 Semester KHG in Braunschweig“

Bettina Wehr leitet seit vielen Jahren das Katholische Hochschulzentrum (KHG) in der Schleinitzstraße in Braunschweig. Nun verabschiedet sich die Theologin zum 1. April in den Ruhestand.

„‚Bettina, du hättest Langzeitstudiengebühren von 11.000 Euro bezahlen müssen.‘ Das haben mir die Studierenden für meine Arbeit in den insgesamt 32 Semestern beim KHG ausgerechnet“, erzählt Wehr gutgelaunt.

Seit 2010 war Wehr hier in Braunschweig zuständig für Studierende und Mitarbeitende der Technischen Universität, der Ostfalia und der Hochschule für Bildende Künste. „Als zentrale Anlaufstelle für katholische Hochschulangehörige möchten wir einen Ort bieten, an dem sie ihren Glauben leben, teilen und vertiefen können“, so Bettina Wehr. Dabei legen Wehr und ihre Kollegin Martina Welle Wert auf Ökumene. Es ist beiden besonders wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle wohl fühlen – unabhängig von Konfession oder sexueller Identität.

Eine besondere Herausforderung war die Coronakrise. So sei das Alleinsein für die Studierenden furchtbar gewesen. „Wir haben schnell Veranstaltungen und sogar Gottesdienste per zoom angeboten“, erinnert sich die 63-Jährige.  „Was ich sehr schön fand, war, dass es in unserem Team eine Konstanz gibt und wir jedes Semester neu mit den Studierenden planen, was sein soll“, so die Theologin.

Ob Winterwanderungen im Harz, Erste-Hilfe-Kurse, künstlerische Angebote wie ein Kurs zur Ikonenmalerei, Exerzitien im Alltag, Vortragsabende zu aktuellen Themen, Konzerte, Glaubensgesprächskreise, der spirituelle Tagesabschluss MiA mittwochs um 19 Uhr oder die beliebten Rorate-Andachten in der Adventszeit morgens um 6.45 Uhr mit anschließendem Frühstück – der Veranstaltungskalender ist vielfältig. Daneben stehen die ökumenischen Gottesdienste zu Beginn und Ende des Semesters fest im Kalender: Zu Semesterbeginn in der evangelischen Kirche St. Katharinen mit anschließendem Aufstieg auf den Andreaskirchturm und zum Semesterabschluss in der katholischen Kirche St. Aegidien.

Zum KHG gehört auch das Studierendenwohnheim im Sielkamp mit etwa 120 Plätzen, davon werden 40 Prozent von internationalen Studierenden bewohnt. „Ich bin jeden Dienstagnachmittag dort für Gespräche aller Art: Für Leute, die Beratung brauchen, in Notsituationen sind oder einfach nur mal reden wollen.“ Das KHG unterstützt die jungen Leute durch Gutachten für verschiedene Stipendiengeber und kann bei kleinen finanziellen Notlagen kurzfristig aushelfen.

Bettina Wehr studierte ab 1982 in Münster und Würzburg Katholische Theologie und absolvierte nach Ihrem Diplom eine Ausbildung zur Pastoralreferentin und in der Supervision in der Diözese Hildesheim. Im Anschluss arbeitete sie in der Ausbildung der Pastoralassistent:innen und war zuständig für die Jugendarbeit in Wolfsburg. Anfang der 2000-er Jahre wechselte sie als Gefängnisseelsorgerin in die JVA nach Hannover und war danach in der italienischen Mission in Braunschweig und Hannover tätig.

Wehr sieht das KHG als eine Oase: „Leute kommen mit verschiedenen Problemen, Neigungen und Wünschen hier nach Braunschweig. Sie können bei uns etwas Ruhe finden, auf jeden Fall immer eine Tasse Tee und etwas Süßes.“

Pläne für den Ruhestand hat die 63-Jährige schon viele und ist gespannt auf ihre neue Tagesstruktur: „Neben Reisen freue mich darauf, viel mit den Händen zu machen.“ Gärtnern, Harfe spielen und Kunsthandwerk zählen dazu. Groß ist ihre Vorfreude auf einen Kongress für „Urban Sketching“ (auf Deutsch: Stadtzeichnen) im Herbst.

 

Sabine Moser, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit