Demokratie, Vielfalt und Migrationsgeschichten im Blick

In einer vielfältigen Ausstellung in St. Aegidien präsentieren Jugendliche das Ergebnis eines Biografie-Projektes vom BDKJ.

Gut zwölf Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren aus Braunschweig und Region – unterstützt von den Pfadfindern aus Hondelage – haben Menschen mit Migrationshintergrund befragt und dabei herausgefunden, dass Gründe, die Heimat zu verlassen, vielfältig sind:  Manche sind der Liebe oder dem Studium wegen nach Deutschland gekommen und geblieben, andere wegen Krieg oder politischer Verfolgung im Heimatland.

Als Ergebnis ihres Projektes gestalteten die jungen Leute für ihre Ausstellung in St. Aegidien Plakate und kunstvoll gestaltete Bilder auf Leinwand oder sogar einen Koffer. Die Lebensläufe und Migrationsgeschichten wurden kreativ als Straße, Steckbrief oder Puzzle dargestellt.

So wie das Puzzle von David (16) aus Braunschweig, er interviewte den gleichaltrigen Artem. Artem kam 2023 von Moskau nach Deutschland und spricht inzwischen akzentfrei Deutsch. „Es war spannend einen meiner besten Freunde noch einmal neu kennenzulernen. Ich wusste noch nicht, wie die Anfangszeit für ihn war“, so David. „Im ersten Jahr habe ich versucht, mich anzupassen, es war schwer. Danach ging es viel einfacher und jetzt fühle ich mich sehr wohl. Ich fühle mich frei hier“, berichtet Artem. Anfang der 8. Klasse hatte er seine Klassenkameraden gebeten, nur noch Deutsch mit ihm zu sprechen. „Auch wenn das schwierig war, ist es gelungen“, freut sich der 16-Jährige.

Betül (19) kam aus politischen Gründen mit ihrer Familie aus der Türkei lebt seit sieben Jahren in Wolfenbüttel. Sie macht zusammen mit Eva (18) eine Ausbildung zur Ergotherapeutin in Braunschweig. Durch das Interview haben sich auch die beiden jungen Frauen näher kennengelernt. „Ich habe Betül gefragt, wie sie von der Türkei nach Deutschland gekommen ist, ob sie Heimweh hatte und wie sie so gut Deutsch gelernt hat“, so Eva.

„Mit dem Ziel, Migrationsgeschichten und die Menschen dahinter in den Fokus zu setzen, entstand beim BDJK Braunschweig die Idee zu diesem Projekt“, erklärt Angelika Thoenes, Projektleiterin beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Braunschweig. In einem Workshop vorab lernten sich die Teilnehmenden kennen und erhielten Werkzeuge an die Hand, um vorbereitet in die Interviews und Umsetzung zu gehen.

In Zeiten, wo Gefahr von Rechtsaußen drohe, wollte der katholische Verband Demokratie fördern, Vielfalt und Migration in den Mittelpunkt stellen. „Es leben so viele unterschiedliche Menschen miteinander, die Geschichten haben. Viele Geschichten sind nicht sichtbar“, betont Holger Ewe, Geschäftsführer beim BDKJ. Unterstützt wurde der BDKJ von Dubravka Topčić, Referentin des Bistums Hildesheim für Internationale Freiwilligendienste, sowie Stefan Hain, Mitarbeiter im Pastoralen Raum Braunschweig.

Auch Propst Martin Tenge, Pfarrer der Innenstadtpfarrei St. Aegidien, unterstützt das Projekt: „Ich bin sehr dankbar, dass die Ausstellung hier in der Kirche stattfinden kann, weil ich glaube, Demokratie und Migration sind katholische Themen. Gerade das Thema Migration ist für Menschen, die katholisch sind, wichtig, weil nicht alle gebürtige Braunschweigerinnen und Braunschweiger sind, sondern aus anderen Ländern, gar Kontinenten, und dementsprechend aus anderen Kulturen kommen.“

Die Ausstellung war auch bei der Chrisammesse im Hildesheimer Dom zu sehen. Das ist die größte Jugendmesse im Bistum, bei der jährlich mehr als 1000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mitfeiern.

 

Sabine Moser, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit