Eine Glocke für den Knast

Jetzt läutet sie wieder: die Glocke der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) Rennelberg. Statt in Braunschweig ruft sie nun die Insassen der JVA Wolfenbüttel sonntags zum Gottesdienst.

Für den evangelischen Gefängnisseelsorger war es ein Herzensanliegen: Als er 1994 seinen Dienst im Rennelberg begann, vermisste er dort von Anfang an eine Glocke, die schließlich zu einer Kirche fest dazugehört. Die Kirche innerhalb der Anstalt war vorhanden, die Glocke fehlte.

Burgdorf erzählte dies auch bei seinen Besuchen in den Braunschweiger Gemeinden. Nicht ohne Erfolg. Ein Frauenkreis meldete sich, dass sie die Kosten für den Guss einer neuen Glocke für die JVA übernehmen wollten. Das Geld dafür hätten sie noch von einem Bazar übrig behalten. Die damalige Anstaltsleiterin Krimhild Timmermanns-Eike spielte mit und so wurde die Glocke im Jahr 2000 von der Firma Lauchhammer in Cottbus gegossen und versah ihren Dienst in der JVA.

Dann wurde die Einrichtung Rennelberg in die JVA Wolfenbüttel integriert. Nicht nur die Inhaftierten zogen 2024 um, sondern auch die Glocke. Am neuen Standort angekommen, musste sie fast ein Jahr auf einen neuen Platz warten.

Im Frühjahr 2025 begannen dann die Vorbereitungen. Der Platz im mittleren Freistundenhof wurde hergerichtet. Vor dem „Grauen Haus“ (Haus I) wurde ein Metallgerüst im Boden verankert, drum herum wurde in Kreuzform ein Platz mit Kopfsteinpflaster von den Arbeitern des Garten-Landschafts-Baus hergestellt. Bereits seit Oktober letzten Jahres läutet die Glocke am Sonntag um 8.30 Uhr den ersten von insgesamt drei Gottesdiensten ein.

Tanja Köhler, Leiterin der JVA Wolfenbüttel, freute sich, Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, Martin Burgdorf, Mitarbeitende und Seelsorger der JVA Wolfenbüttel sowie Inhaftierte vom Garten- und Landschaftsbau bei einer kleinen Feier begrüßen zu können. „Der Glaube spielt in der JVA eine wichtige Rolle. Er gibt Halt, um die Perspektive, das eigene Verhalten verändern zu können. Die Glocke lädt mit ihrem Klang dazu ein, zusammenzukommen, das Wort Gottes zu hören und gemeinsam zu beten“, sagte Köhler.

Nach ein paar Ansprachen folgte eine kurze liturgische Feier, die von Propst Schultz-Seitz, Christiane Kreiß und Propst Martin Tenge gehalten wurde. In der Andacht segnete Propst Tenge die Glocke an ihrem neuen Platz. Zukünftig wird sie die Inhaftierten der JVA Wolfenbüttel zum Sonntagsgottesdienst einladen. Auf der Glocke steht ein Vers aus Psalm 31 „Meine Zeit steht in Deinen Händen“. Nach der Segnung läutete der Kirchenkalfaktor der JVA die Glocke an.

Für die ehemaligen Rennelberger – Inhaftierte und Mitarbeitende – bedeutet der Umzug der Glocke mit nach Wolfenbüttel auch ein Stück „Heimat“.

 

Edmund Deppe, pkbs