Gemeinsam an der Kirche bauen

Neujahrsempfang des Diözesanrates der Katholik*innen im Bistum Hildesheim

Der Diözesanrat der Katholik*innen (DR) im Bistum Hildesheim setzt mit seiner Forderung für die Gleichberechtigung in der Kirche ein deutliches Zeichen – bei seinem Neujahrsempfang in Wolfenbüttel am Anfang des Synodalen Weges.

„Ich wollte schon mit 18 Priester werden. Doch was wäre ich als Katholikin geworden?“, fragt Pfarrer Matthias Eggers nachdenklich. Dabei ist er mit seiner Gemeinde St. Petrus in Wolfenbüttel schon einen großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung gegangen. Die rund 150 Gäste des Neujahrsempfangs werden von der neuen Doppelspitze der Pfarrgemeinde St. Petrus begrüßt von Pfarrer Eggers und der Juris­tin Christiane Kreiß.

„Gleichberechtigung in der Kirche auf allen Ebenen und allen Ämtern ist ein Thema, welches viele Menschen bewegt und das außerhalb und innerhalb der Kirche kontrovers diskutiert wird“, betont der Vorsitzende des Diözesanrates Dr. Christian Heimann. „Ziel ist es, mehr Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen und neue Denkperspektiven zu eröffnen.“ Heimann plädiert dafür, auch gegenteilige Meinungen nebeneinander stehen zu lassen. Es gehe darum zu erkennen, „dass alle gleichermaßen darum ringen, an ihrer Kirche mitzubauen und dabei wertzuschätzen, dass viele Ideen und Meinungen ein Wert an sich sind.“

„Jeder Mensch besitzt priesterliche Würde“

Für Pfarrer Eggers hat jede Frau eine priesterliche Würde. „Jedem Jungen und jedem Mädchen, sage ich bei der Taufe: Du bist getauft zum König, Priester und Propheten“, erklärt er.

Dr. Christian Hennecke, geistlicher Begleiter des Diözesanrates, überbringt Grüße von Bischof Dr. Heiner Wilmer. Dem Bischöflichen Beauftragten ist es wichtig, Dienstamt und Ordination neu zu denken. Er will alle Getauften ins Spiel bringen. „Wir sind auf dem Weg – synodal und partizipativ –, aber wir sind erst am Anfang. Legen wir doch einfach los“, sagt Hennecke unter lautem Beifall.

Kein Stillstand – die Kirche bewegt sich doch

Krankheitsbedingt konnte Referent Professor Hubert Wolf nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Doch der Priester und Kirchenhistoriker aus Münster stellte seine Thesen dem Publikum per Audiobotschaft vor. Aus seiner Sicht werde die Geschichte zu oft als Kronzeuge dafür angeführt, „dass man in der Kirche nichts verändern kann“. Wolf lässt dieses Argument der Reformgegner nicht gelten: „Die Geschichte ist ein Schatz für Reformen. Und sie bewegt sich doch – unsere katholische Kirche!“

Mit Birgit Mock, Geschäftsführerin vom Hildegardis-Verein, bezieht auch eine Frau Stellung zur innerkirchlichen Diskussion über den Stand der Gleichberechtigung aus weiblicher Sicht (siehe Interview unten).

Neben der Auftaktveranstaltung des Synodalen Weges in Frankfurt ist Heimann besonders ein Treffen in Hildesheim wichtig: „Wir wollen am 2. Mai am Domhof einen synodalen Tag unter dem Leitwort ‚frauenfragen‘ gestalten.“ 600 Synodale werden an diesem Tag teilnehmen, das ist jeder 1000. Katholik im Bistum. „Mit dieser Veranstaltung wollen wir an die Tradition der Hildesheimer Synoden anknüpfen. Und ich bin überzeugt, dass wir damit ein starkes Signal in Richtung des Synodalen Weges senden“, so Heimann.

Sabine Moser

 

Nachgefragt

Es ist eine einzigartige Chance

Gast beim Neujahrsempfang des Diözesanrates war Birgit Mock. Sie ist Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins, Vizevorsitzende des Frauenbundes und familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Sie sprach über Gleichberechtigung, Maria 2.0 und den Synodalen Weg.

Was hat sich in den letzten Jahren in der Kirche verändert?

Veranstaltungen wie diese, mit der klaren Zielperspektive „Für Gleichberechtigung in der Kirche auf allen Ebenen und in allen Ämtern“, wären vor einigen Jahren sicher so nicht denkbar gewesen. Ich finde es sensationell, dass der Diözesanrat sich dieses Thema gewünscht hat. Es berührt uns in unserem Glauben an die Gottesebenbildlichkeit: ‚Als Mann und Frau erschuf er sie‘. Daraus erwächst eine gleiche Würde – unsere Menschenwürde. Auf gesellschaftlicher Ebene erlebten wir mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 ein geniales Meisterstück. An den Grundsatz der absolut gleichen Würde und der gleichen Rechte muss ich denken, wenn ich mich frage, was wir im Sinne der Gottesebenbildlichkeit und der Abkehr jeglicher Diskriminierung als Kirche zu sagen haben.

Wie kann der Hildegardis-Verein kulturell zu diesen Veränderungen beigetragen?

Im Hildegardis-Verein nehmen wir die Stärken von Frauen in den Blick. Wir sind ein kleiner, sehr alter Verein – gegründet 1907, um Frauen den Zugang zu Hochschulbildung zu erkämpfen. Wenn wir bei drängenden Fragen konkreten Handlungsbedarf sehen, handeln wir. Und so war es 2013, als die Deutsche Bischofskonferenz mit der Erhebung von Andrea Qualbrink feststellte, dass der Anteil von Frauen in kirchlichen Führungspositionen mit 13 Prozent auf der obersten Leitungsebene noch ausbaufähig ist. Wir haben angeboten, hierfür ein Mentoring-Programm zu entwickeln, stießen bei der Bischofskonferenz und dem Bonifatiuswerk auf offene Türen und hatten die Vision, die Bistümer deutschlandweit zusammenführen zu können. Das ist uns tatsächlich gelungen. Das Bistum Hildesheim ist eines von 17 Bistü­mern, das sich am Programm beteiligt. Inzwischen haben sich über 100 Frauen als Nachwuchskräfte am Programm auf Führung vorbereitet.

Inwieweit hat das Programm die Kirche verändert?

Wir sehen im Mentoring, dass Frauen ihren Standpunkt finden und ihn festigen. So erleben wir Frauen als Gemeindeleiterinnen und Seelsorgeamtsleiterinnen, die Personalgespräche mit Priestern führen. Sie alle definieren das Verhältnis zwischen Priestern und Laien neu. Frauen in Führung sichtbar zu machen, führt zu neuen Bildern in unseren Köpfen und bricht alte Stereotypen auf.

Welche Rolle haben die Frauenverbände und die Initiative Maria 2.0 hin zu einer geschlechtergerechten Kirche?

Sie tragen entschieden dazu bei, dass wir als Kirche weiter ins Handeln kommen. Seit dem Frühjahr 2019 gibt es die Initiative Maria 2.0. Sie greift das auf, was katholische Frauenverbände seit über 100 Jahren tun: Wir treten für gleiche Rechte von Männern und Frauen in Gesellschaft und Kirche ein, denn Berufung und Charisma sind keine Frage des Geschlechts. Nicht der Zugang von Frauen zu kirchlichen Ämtern und Diensten ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss. Diese These des Osnabrücker Kongresses von 2017 ist eine zentrale Grundlage, mit der wir in den Synodalen Weg gehen.

Welche Chancen sehen Sie im Synodalen Weg persönlich?

Ich erhoffe mir, dass wir diesen Weg als Chance für unsere Kirche als Institution und für uns als Gemeinschaft der Glaubenden nutzen. Denn es ist weltweit einzigartig, was in Deutschland passiert. Laien, Bischöfe und Priester übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Kirche.

Fragen: Sabine Moser